Leben 2.0
War das vor ein paar Jahren nicht schön? Man saß zu Hause vor dem Rechner, hat einfach nur ein Killerspiel gespielt, nahm an Diskussionrunden in Foren teil, oder chattete ein wenig. Das grandiose dabei: Man kannte sich nicht und lernte sich in den meisten Fällen auch nie kennen. Man versteckte sich hinter einem – extra für das Internet geschaffenem – Pseudonym (Neudeutsch: „Nickname“ oder „Nick“) und schuf so eine künstliche Person, die meistens aber nichts mit dem Verfasser gemeinsam hatte. Schlicht: Das Internet konnte Anonymität garantieren.
Doch dann geschah etwas. Es ward das Web 2.0. Internet zum mit- und selbermachen und natürlich auch zum mitnehmen (neudeutsch: „mobile web“). Dienste, die unbegrenzte Unterhaltung versprechen schossen wie Pilze aus den Boden.
Portale, in denen man die eigenen Videos hochladen und der ganzen Welt vorführen kann. Und das ganze sogar kostenlos. Man muss sich nur mit seinen persönlichen Daten registrieren und los geht es.
Communitys, die Netzwerke von Studenten bilden. Kostenlos. Registrierung natürlich vorausgesetzt.
Das selbe Konzept gibt es natürlich auch für Schüler, Musiker oder Unternehmer. Alles kostenlos. Da registriert man sich doch gerne.
Virtuelle Tagebücher (neudeutsch: „Blogs“) und virtuelle Kleinsttagebücher (neudeutsch:
„Mikroblog“), mit deren Hilfe man der ganzen Welt erzählen kann, was man erlebt und gemacht hat, oder was man grade macht. Oder sogar was man plant zu tun. Oder niemals tun würde. Klar, dass das kostenlos ist. Das Registrieren für diese Dienste erledigt man sowieso schon im Schlaf.
Doch das, was einst den Reiz des Internet ausmachte (Anonymität) schlägt ins krasse Gegenteil um. Man zeigt im Internet einfach alles von sich. Fotos, Videos, Erlebnisse und aktuelle Tätigkeiten. Und das teilt man mit der ganzen Welt. Warum auch nicht. Schließlich kennt mich im Internet ja keiner. 
Ganz im Gegenteil. Wenn man einfach alles von sich preisgibt, dann wird man auch gekannt. Hinzu kommt, dass man sich gar nicht mehr aussuchen kann, wer einen kennt. Ist es jetzt der Arbeitgeber, der intime Einsichten in mein Privatleben bekommt oder ein pädophiler Triebtäter, der sich auf dem Profil von minderjährigen Internetexibitionisten rumtreibt?
Leider macht sich da niemand kaum jemand Gedanken – geschweige denn Sorgen – drum. Schließlich bietet das neue Leben im Internet ja auch so viele Annehmlichkeiten. Man kann sich so einfach die Langeweile
vertreiben. Videos gucken, lustige Texte lesen oder Bilder gucken. Außerdem wird man (wenn man es richtig macht) von allen Seiten bestätigt und kann im besten Fall sogar Geld mit seinem Internetleben verdienen.
Achja, wer jetzt denkt, ich sei ein Gegner des virtuellen Lebens liegt einigermaßen falsch. Ich benutze selber so gut wie jeden Service, den mir das „neue Internet“ anbietet. Allerdings eher passiv als aktiv. Und schon gar nicht als Ersatz für
mein wirkliches Leben. Alles in Allem führe ich drei Blogs, habe Profile bei mySpace, facebook und studiVZ, stelle Videos bei YouTube rein und zwitschere auch noch ab und an ein wenig bei Twitter rum.
In diesem Sinne: Man sieht, hört, liest sich. Und wenn nicht lernt man sich bestimmt kennen. Auf Knopfdruck natürlich.
MfG, der Dac…
P.S.: Ja, dieser Text ist durchaus selbstkritisch gemeint und verallgemeinert vielleicht ein bisschen. Andererseits habe ich nichtmal die extremen Auswüchse dieser neuen Kultur erläutert, denen man manchmal begegnet. Von MMORPGs wie WoW, mal ganz zu schweigen…
P.P.S.: Ihr dürft mich gerne als Freund bei mySpace hinzufügen oder bei Twitter verfolgen:
- mySpace: myspace.com/dacxp
- twitter: twitter.com/dacxp
Paradox? Japp!
Tags: blogs, communitys, facebook, internet, myspace, studivz, twitter, web 2.0, wordpress, youtube
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Januar 30, 2009 at 7:34
War ein genuss deinen Artikel zu lesen. Mit dem Inhalt rennst du bei mir offene Türen ein. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich das „neue“ Internet sehr vermissen würde, wenn es die ganzen Web2.0- Portale plötzlich nicht mehr gibt. Alles in allem gefällt mir der Community- Charakter des neuen Internets sehr gut. Dennoch weiß ich auch dass sich diese Meinung schlagartig ändern kann, sollte ich irgendwann schlechte Erfahrungen damit machen…. und ich befürchte, dass diese nicht ausbleiben werden…