Kriesengebiet Rheydt

Ich hasse Fußball…

Also zumindestens als Sport zum zugucken hasse ich Fußball. Selber spielen ist vielleicht noch ganz O.K., auch wenn ich es nicht so gerne spiele. Aber wenn in Gladbach ein Spiel stattfindet hasse ich Fußball definitiv.

Diese Einstellung wurde gestern wieder eindrucksvoll gestärkt.
Ich wollte mit ein paar Freunden in der Düsseldorfer Altstadt ein wenig abhängen. Also auf zum Rheydter Bahnhof. Dort angekommen verwunderte mich eine riesige Menschenmasse, die vor dem Haupteingang des Bahnhofs stand. Bei genauerem Hinsehen war der Grund dafür eine SEK-Einheit der Polizei, die niemanden rein oder raus ließ.
Da fiel es mir ein. Ein Spiel. Und das heute. Naja, hoffentlich ist nicht Köln der Gegner…
Halbwegs Ortskundige kennen einen kleinen Nebeneingang, der direkt auf den Bahnsteig führt. Ich schlender also dorthin und komme tatsächlich noch auf den Bahnsteig.
Und wieder muss ich erst mal tief Luft holen. Alles voll mit Leuten, die entweder einen grün-weiß-schwarzen Schal tragen oder einen rot-weißen. Und jede Meng……….. Einen rot-weißen Schal? Ist das nicht tatsächlich Köln?
In meinem Bauch wird’s ein wenig flau. Gladbacher, Kölner und jede Menge Bier. Hoffentlich passiert da nichts. Immer schön naiv positiv denken. Und zur Not sind ja auch noch ca. 200 Einsatzkräfte der Polizei in voller Montur da.

Ich konzentrier mich auf den Anzeigemonitor, der mir verklickern möchte, dass der nächste Zug 10 Minuten Verspätung hat. Kein Problem. Ist ja nicht meiner. Meiner kommt bestimmt pünktlich.
Von wegen. Eine viertel Stunde später ist meiner immer noch nicht da.

Dafür füllt sich der Bahnsteig zusehends mit Menschen. Es wird Bier getrunken, Parolen gegrölt, noch mehr Bier getrunken, an Wände und in Büsche gepinkelt, wieder ein wenig ohne Ende Bier getrunken und natürlich auch ein wenig gepöbelt.
Plötzlich gehts ganz schnell. Irgendwo hat ein Betrunkener zu feste jemanden aus den gegnerischem Fanlager angerempelt, da stürmen auch schon hunderte drumrum. Na toll, ne Schlägerrei. Das Ganze löst sich zum Glück recht schnell auf, als ein paar SEK-Leute dazwischen gehen.

Ich gucke wieder ungeduldig auf den Anzeigemonitor. Nichts. Die nächste Bahn fährt nach Köln und kommt 10 Minuten später. Ich werde langsam ungeduldig und beschließe mit dem Bus nach Mönchengladbach HBf zu fahren in der Hoffnung dort mehr Glück zu haben. Also wieder zum Seiteneingang und auf zum……… Na toll, jetzt wurde der auch noch dicht gemacht. Wie komm ich denn jetzt hier raus?

Möglichkeit 1: Über die Gleise, über einen Zaun und dann über einen Parkplatz. Scheiß Idee. Wenn ich über die Gleise laufe haben mich sofort SEK-Leute am Wickel, übder den Zaun schaffe ich es sowieso nicht, und der Parkplatz geht zur falschen Seite raus…

Möglichkeit 2: Gar nicht…

Na so ein Mist. Jetzt steh ich hier, ein Zug in Richtung Düsseldorf scheint nicht mehr zu fahren und um mich rum lauter betrunkener, wütender Kölner und Gladbacher. Und natürlich die angspannten Polizeibeamten, die immer mehr werden und sich quer über den Bahnsteig in einer Reihe aufstellen.
Wow, da passiert gleich was. Wollen die den Bahnhof jetzt komplett räumen oder wie? Da gibt einer ein Signal und alle ziehen sich die Helme auf. Mir wird schon wieder flau im Magen. Das kann nicht gut werden.
Einer der SEK-Leute zieht ein Megaphon und hält es sich an den Mund um was zu sagen, da bricht die akustische Hölle los. Alle schreien und brüllen wie am Spieß, um den Mann zu übertönen, was auch eindrucksvoll gelingt.
Das war genug für die Polizeibeamten. Geschlossen drängen sie Borussen und Kölner auseinander. Ich weiche mit zurück (zum Glück auf Seiten der weniger aggressiven Gladbacher).
Und dann wird aus der akustischen Hölle eine Schlacht. Flaschen fliegen, Menschen rennen schreiend und in Panik davon, irgendwo werden Signalraketen auf Menschen abgefeuert und die SEK-Gruppe greift zum Tränenspray.
Was zum Teufel… Wo bin ich hier reingeraten? So ein Chaos wegen eines Fußballspiels? Irgendwo höre ich ein paar Leute sagen, dass es bisher noch nie so schlimm gewesen sei. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie das in ein paar Jahren dann aussieht.

Zum Glück kommt endlich der Zug nach Köln. Hunderte Kölner verschwinden auf einmal von Bahnsteig, als sei nichts gewesen, der obligatorische Flaschensammler lässt sich mit leuchtenden Augen blicken, etwa 50 der Polizeibeamten drängen sich mit ihren Darth-Vader-Helmen noch mit in den Zug und ich komme endlich aus diesem verdammten Bahnhof raus.

Ab in den nächsten Bus nach Gladbach und dann mit einer Stunde Verspätung nach Düsseldorf.

Dort hatten wir dann noch nen gemütlichen Abend, der etwas dreist um ca. halb eins beendet wurde, weil einfach der Heizpilz an dem wir saßen abgedreht wurde.

Wenn mir der Tag eins gezeigt hat, dann, dass ich Fußball wirklich hasse…

MfG, Dac!

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